Ein Kino für Zeitreisen.

– neues Angebot des Filmclubs Montabaur –

 

Mit einem „RETROKINO“ beabsichtigt der Filmclub Montabaur eine besondere Filmreihe über Ereignisse in und um Montabaur anzubieten. Ein Kino für Zeitreisen soll damit in Montabaur etabliert werden. Es sind Film-Dokumentationen, die in den letzten 65 Jahren vom Filmclub Montabaur produziert und einige aufwendig von Mitgliedern digital restauriert wurden. Sie sind mittlerweile in den Bestand des Stadtarchivs Montabaur übergeben worden. Dieser Filmbestand soll nicht nur im Stadtarchiv für die Nachwelt gesichert bleiben, sondern jetzt in dem neuen Angebot „RETROKINO“ der Öffentlichkeit gezeigt werden. Einmalige Zeitdokumente lassen vergangene Ereignisse aus Montabaur und Umgebung wieder lebendig werden. 

Der Start dieses neuen Kinos für Zeitreisen soll am 22. September 2026 beginnen. Näheres ist dem umseitigen Veranstaltungshinweis zu entnehmen. Wir laden die interessierte Bürgerschaft von Montabaur und Umgebung dazu herzlich ein; der Eintritt ist kostenlos.

1961 gründeten fünf junge Männer mit den Namenskürzeln mo-ro-sa-wi-ba eine Vereinigung, aus der der heutige Filmclub Montabaur entstanden ist. Filmen mit einer 16 mm-Kamera war damals ein teures und exklusives Hobby. Die Kosten für Aufnahme-, Bearbeitungs-, Nachbearbeitungs- und Vorführgeräte konnten nur durch einen Club gestemmt werden. Fast für jeden ist heute eine 4K-Kamera erschwinglich. Ein Computer zur Bearbeitung des Materials ist für jeden zugänglich. Handys liefern heute schärfere Filmsequenzen als mancher 16mm Film, Super 8-, VHS- oder DV-Film der Vergangenheit.

Heute im Videozeitalter stellt sich die Situation grundlegend anders dar: Das Medium Film mit seiner unendlichen Themenbreite, mit großem Spielraum für Kreativität und Fantasie, um eine Geschichte zu erzählen. Kritisch zu sehen sind wackel-, zappel-, zoom- oder schwenkbeladenen Szenen oder wild aneinandergereihte Aufnahmen, bar jeder Filmlogik.

Wir im Filmclub Montabaur haben den Anspruch, strukturierte Geschichten zu erzählen, d.h. eine logische und lebendige Abfolge von Szenen darzustellen, um Gedanken, Gefühle, Erlebnisse oder Informationen für andere greifbar zu machen und mittels Medium Film festzuhalten. Die Filme ergänzen sich im Bildinhalt, Kommentar, Originalatmosphäre und Musik, um den Gesamteindruck zu optimieren. Das ist komplex und erfordert den ständigen Dialog seiner Mitglieder. Hinzu kommen viele Aufgaben, die nur im Team bewältigt werden können. Die Themenschwerpunkte sind bis heute, kulturelle Ereignisse der Heimatstadt Montabaur und deren Umgebung in Bild und Ton zu dokumentieren. Zwischenzeitlich ist ein Filmbestand von über 100 Filmdokumentationen entstanden, den es gilt zu bewahren und nun der breiten Öffentlichkeit in Montabaur und Umgebung zugänglich zu machen.

 

Screenshots aus den Filmen. © Filmclub

Erinnern wir uns an ein wichtiges Ereignis der Caritas in Montabaur am 29.04.2005. An diesem Wochenende schlossen sich die Caritas Rhein-Lahn und die Caritas Westerwald zu einer gemeinsamen Caritas mit Sitz in Montabaur zusammen. Neben einem Festakt und der Vorstellung der neuen Organisationsstruktur wurde auch ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter in Ketten als kirchliches Zeichen dieses Zusammenschlusses gefeiert, in dem der damalige Bischof von Limburg, Dr. Franz Kamphaus, die Predigt hielt. Seine Predigt stand unter dem Leitwort „Caritas – ein starkes Stück Kirche“.

Bischof Dr. Franz Kamphaus war ein haltungsstarker, bodenständiger und streitbarer Theologe, der besonders die sozial Schwachen im Blick hatte, weil er in seinem Wirken nie seine eigene Herkunft als Jüngster von fünf Kindern einer Bauernfamilie vergaß. Deshalb war sein Wahlspruch „Den Armen das Evangelium verkünden“ und er setzte sich besonders für die Bedürftigen und Schwächeren in unserer Gesellschaft ein. Luxus lag ihm fern; seine Bescheidenheit und sein damit verbundenes Charisma waren Eigenschaften, an die sich bis heute sehr viele Christen erinnern. Zum Beispiel verzichtete er als Bischof auf die Hälfte seines Salärs und bezog eine kleine Wohnung, anstelle der repräsentativen Bischofsunterkunft. Als einziger Bischof in Deutschland setzte er sich für die Schwangeren-Konfliktberatung, gegen den Widerstand in Rom, mit einer mehrjährigen Sonderlösung für sein Bistum ein.

Seine Predigt am 29.04.2005 ist das Spiegelbild eines Theologen, wie er beschrieben wurde. Er stellt die Bedeutung und den Auftrag der Caritas heraus und wirbt damit für einen starken Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, denn das lateinische Wort Caritas heißt „Nächstenliebe“ oder „Wertschätzung“.

 

Erinnern wir uns an den 30.05.1999, also kurz vor der Jahrtausendwende, an ein bedeutendes Pfarrfest in Montabaur, vor der Kirche St. Peter in Ketten. Es war der Tag, an dem Pfarrer und Dekan Georg Niederberger von seiner Gemeinde verabschiedet wurde und offiziell am 01.09.1999 in den wohlverdienten Ruhestand trat.

Zum 01.07.1973 übertrug der Bischof von Limburg, Dr. Franz Kamphaus, Pfarrer Niederberger, in der Nachfolge von Dekan Breitling, die traditionsreiche Pfarrei St. Peter in Ketten in Montabaur. Hier wirkte er 26 Jahre als kompetenter und volksnaher Seelsorger, der durch seine Rundfunkansprachen und damit weit über Montabaur hinaus geschätzt war. Auch die zur Pfarrei Montabaur gehörenden Dörfer lagen ihm sehr am Herzen, insbesondere der Wallfahrtsort Wirzenborn im Gelbachtal.

Es war ein Fest, in dem viele Wegbegleiter in seinem pfarramtlichen Dienst, wie auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Montabaur, die Arbeit von Pfarrer Niederberger gewürdigt haben. Ein Theologe, der immer bestrebt war, den aktiven Mitchristen in seiner Pfarrgemeinde Raum für eigene kirchliche Gemeindearbeit zu geben und sie darin zu unterstützen, wo um Hilfe gebeten wurde. Mit dieser Führungseigenschaft entwickelte sich St. Peter in Ketten in vielfältiger Weise als sehr lebendige christliche Gemeinschaft weiter.

Der Film vom Filmclub Montabaur vermittelt diesen Eindruck durch die Dokumentation des gesprochenen Wortes und unterstreicht dies mit dem Untertitel „Eine Legende geht“.